Benutzerzentriertes Software-Design

Maira, du modernisierst seit einigen Jahren das UI- und UX-Design von CEITON.
Was bedeutet Usability im Zusammenhang mit Software?

Die Herangehensweise an die Software-Entwicklung war früher sehr technikorientiert. Ein Software-Entwickler blickt sehr rational, eher wie ein Ingenieur, auf das Ganze. Doch die Mehrheit der Anwender interagiert anders mit einem Programm. Ein Beispiel sind Fehlermeldungen. Es ist wichtig, dass eine Software nicht wie eine Maschine redet: „Fehler 505“. Sowas geht gar nicht. Besser ist es, empathisch auf den Nutzer zuzugehen: „Hoppla, da ist etwas schiefgelaufen. Unser Support ist gerne für Sie da und kümmert sich um Ihr Anliegen“.

Bei einer neuen Software bzw. einem neuen Feature muss der Nutzer immer den Anwendungsprozess erlernen und verinnerlichen. Wenn er die Software auch nach einer Schulung nicht ganz versteht, ist er jeden Tag genervt. Eine nutzerfreundliche Software unterstützt den User aktiv. Sie bildet die Schnittstelle zum Menschen, führt ihn durch den gesamten Anwendungsprozess und gibt ihm Feedback. Es gibt dem Anwender ungemein Sicherheit, zu wissen, dass er auf einem guten Weg ist.

„Mit Vertrauen in die Software arbeitet der User auf eine produktivere Art und Weise.“

Software Usability

Mitte November findet jährlich der World Usability Day mit Schwerpunkten auf User Experience und nutzerzentriertem Design statt.

UX- und Screendesignerin Maira

Maira Marcucci
Produkt- und UX-Design, expertplace solutions GmbH

Beim benutzerzentrierten Design-Konzept kommen erstmal der User und seine Bedürfnisse – und darauf baut der Entwicklungsprozess auf. Und nicht andersrum. Usability ist eigentlich: User first, dann der Prozess und dann die Software. Was ein UX-Designer macht, ist, den menschlichen Part der Software hervorzubringen.

Um herauszufinden, was genau die Nutzerbedürfnisse sind, machen wir auch Tests mit unseren Anwendern.
Der Usability Test an sich ist nur ein Teil, ein großer und wichtiger Teil, aber eben nicht alles. Wenn ein Kunde mit einem Anliegen, z. B. einem neuen Tool zur Zeiterfassung, zu uns kommt, befrage ich die Nutzer zuerst in einem Interview. Ich sammle Daten: Was brauchen sie, wie arbeiten sie, wie sind der allgemeine Kontext und der Arbeitszyklus. Wenn ich diese Infos habe, gehe ich über zu spezifischen Use Cases. Dann machen wir die Usability Tests.

Wie läuft so ein Usability Test ab?
Wir simulieren die echten Aufgaben des Anwenders mit der Software und sehen dann, was er konkret damit macht. Ich bin in dem Moment da, um Fragen zu stellen, den Test zu beobachten und ggf. zu unterstützen. Da jeder Mensch anders arbeitet, können die Antworten in so einem Test auch ein bisschen subjektiv ausfallen. Deswegen erstelle ich vor dem Test ein Skript. Ich frage ausschließlich nach den Erfahrungen des Nutzers und nicht, was er sich wünscht. Die Art und Weise der Fragestellung muss objektiv sein: „Was schaust du gerade an; Was siehst du; Was suchst du auf einer Seite; Wo willst du hin?“. Man muss aufpassen, keine Suggestivfragen zu stellen z. B. „Denkst du, das könnte besser so sein…“. Das funktioniert nicht, damit vermasselt man den ganzen Test.

„Meinungen und Vermutungen sind gefährlich und sollten für einen UX-Designer keine Wahrheit sein.“

Auf diese kleinen Details muss man achten, um echte und objektive Daten zu sammeln. Danach schaue ich mir die Aufnahmen genau an – man sollte jede Usability Session aufnehmen. Ich schreibe meine Beobachtungen auf, was ich sehe, wo es Probleme gibt. Ich betrachte den aktuellen Prozess und vergleiche, wie er im Optimalfall sein sollte. Alles was schief läuft, kann man bei dem Usability Test erkennen.

CEITON ist ein sehr komplexes System, es gibt viele Möglichkeiten, damit zu arbeiten. Manchmal ist die Arbeitsweise der Anwender in der Realität komplett anders, als man sich das vorgestellt hat. Deswegen ist Usability Testing so wichtig. Zum Beispiel gibt es einen komplexen Arbeitsablauf mit 10 Schritten. Für den User ist das vielleicht nicht so intuitiv und er macht daraus 5 kleine Abläufe. Jeder User hat seine eigene Vorgehensweise und sein Standardverhalten. Bei Usability Tests und beim UX-Design muss man diese Muster suchen. Wo gibt es gemeinsame Nenner?

Gab es bei den Tests schon mal echte Überraschungen?
Ja, z. B. bei den Farb-Codes. Die Wahrnehmung von Farbe ist bei Menschen oft ein bisschen unterschiedlich. Ich merke, dass die Farbe Gelb von vielen Nutzern als Orange wahrgenommen wird. Das ist wichtig zu wissen in Bezug auf die Farbpsychologie, jede Farbe hat eine Wirkung.

Icons sind auch immer eine Überraschung. Bei einem Workflow-System wie CEITON war meine Vermutung vorher, dass alles sehr minimalistisch und klar gestaltet sein sollte. Ein ganz simples, klares Icon ist vielleicht gut aus Designsichtweise, aber die User haben keine Verbindung dazu. Gib dem Icon etwas mehr Farbe oder mehr Persönlichkeit, mach es etwas süßer oder mit originellen Formen, dann rasten die Nutzer aus. Die finden das richtig schön. Das war etwas, das ich mir vorher nicht so vorgestellt habe. Die Leute reagieren mehr auf Emotionen als auf eine ganz cleane, saubere Art zu arbeiten.